Zahnlexikon

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Abrasionsgebiss


"Vielkauergebiss", engl.: abrasive dentition; Schlagwortbezeichnung für ein durch starke Beiß- und Kauabnutzung entstandener Gebisszustand. Kennzeichnend sind der mehr oder weniger starke Verlust von Fissuren und Höckern, Schneidekanten, Schlifffacetten und eine Bisssenkung. Häufig mit einer Vorverlagerung und Absenkung des Bisses ("Bisssenkung") und dadurch bedingter Kiefergelenksbeschwerden sowie mit Entzündungen der Mundwinkel) verbunden.




Axiale Belastung


Bei restaurativen Maßnahmen sollen alle Kontakte schulmäßig wiederhergestellt werden. Wird gegen natürliche Zähne gearbeitet, genügen i.d.R. A+B- bzw. C+B-Kontakte. A+B bzw. B+C sorgen für stabile Okklusion und fördern somit eine axiale Zahnbelastung




Balancen


Balancekontakt ! Okklusionsstörung Zahnkontakte der unteren Bukkalen mit den oberen palatinalen Höckern auf der Balanceseite (Nichtarbeitsseite) bei der Lateralbewegung. Ein Beispiel für ein Okklusaltrauma wären Horizontalkräfte, die in Form von Früh- oder Balancekontakten auf die Zähne einwirken




Beckenschiefstand


Ein Beckenschiefstand führt zu Ausgleichsschwingungen der Wirbelsäule, da der Körper bemüht ist, den Kopf gerade und die Augenlinie horizontal zu stellen. Bei Patienten mit Wirbelsäulenblockaden, speziell der Halswirbelsäule, liegen häufig auch therapiebedürftige Befunde im craniomandibulären System vor. Insbesondere die Bereiche C0/C1 und C7, aber auch das Iliosakralgelenk können über die Muskelketten der Wirbelsäule durch eine Fehlposition des Unterkiefers beeinflusst werden. Diese seitlichen Verbiegungen der Wirbelsäule nennt man je nach Ursache Skoliose oder skoliotische Fehlhaltung. Die Abbildung links zeigt einen Beckenschiefstand mit daraus resultierender Ausgleichsschwingung der Wirbelsäule. Kreuz- und Darmbein sind verkantet. Durch exakte Untersuchungen muss festgestellt werden, welche der unterschiedlichen möglichen Formen des Beckenschiefstandes vorliegt, da sich unterschiedliche therapeutische Konsequenzen ergeben. Die folgenden Ursachen sind zu unterscheiden: Dem Beckenschiefstand liegt eine anatomische, so genannte echte Beinverkürzung zugrunde.
Aufbaustörungen der Wirbelsäule, wie beispielsweise eine Skoliose, bedingen durch die enthaltene Rotation Beckenverwringungen, die auf den ersten Blick wie ein Beckenschiefstand erscheinen.
Im Bereich der Iliosacralgelenke (Gelenke des Darm- und Kreuzbeins) liegt eine Funktionsstörung vor, die zu einer scheinbaren Beinverkürzung führt, man spricht auch von funktioneller Beinverkürzung.
Krankhafte oder verschleißbedingte Funktionsstörungen im Hüftgelenk können zu funktionellen oder anatomischen Beinverkürzungen führen.
Mehrere der genannten Einzelursachen treten kombiniert auf.




Bruxismus


Knirschen und Pressen; engl.: (teeth) grinding, bruxism; ständiges Aneinanderpressen oder -reiben von Ober- und Unterkieferzähnen. Bruxismus wird als das parafunktionelle Pressen und Knirschen zwischen der oberen und unteren Zahnreihe definiert; es wird vermehrt als Folge von "emotionalem Stress" (negativer Stress = "Disstress") angesehen. Während dieser Tätigkeit werden extrem starke Kräfte über unterschiedlich lange Zeiträume ausgeübt. Bruxismus-Patienten können Presskräfte von 1.000 Newton (N) und mehr entwickeln, welche damit weit über den Kräften liegen, die beim Kauen auftreten. Diese biomechanische Belastung verursacht zahlreiche zahnärztliche Probleme wie Schmelzbeschädigungen, Überempfindlichkeit, parodontale Erkrankungen und Funktionsstörungen des Muskelapparates und der Kiefergelenke. Mindestens ein Drittel aller Erwachsenen knirscht zeitweise mit den Zähnen; rund achtzig Prozent der Betroffenen sind Frauen zwischen 30 und 45 Jahren. Psychischer Stress und emotionale Spannungen werden bereits seit Langem im Zusammenhang mit dem Bruxismus beschrieben. Es wurde auch beobachtet, dass das aggressive Beißen mit einer signifikanten Reduktion des Stress-induzierten Anstieges des Noradrenalinumsatzes im Gehirn, des DOPAC-Gehaltes im Striatum und der Verhinderung von Magen-Darm-Geschwüren bei experimentellen Tieren einhergeht.




CMD


CMD: kranio-mandibuläre Dysfunktion (Funktionsstörung; kranio = abgeleitetes Wortteil für Schädel o. Kopf, mandibula = Unterkiefer), engl.: cranio-mandibular dysfunction; Sammelbezeichnung für einen vielfältigen Komplex von Erkrankungen des Kausystems, welche in einem Bezug zu Symptomen im Kopf-Hals-Nackenbereich stehen. Zur Diagnose werden neben der klinischen und instrumentellen Funktionsanalyse, bildgebende Verfahren (auf der Röntgentechnik basierend, Magnetresonanzverfahren, Ultraschallverfahren (Sonographie) endoskopische Methoden (Arthroskopie)) und konsiliarische Verfahren (zur Abklärung psychischer und orthopädischer Faktoren (insbesondere die Halswirbelsäule) eingesetzt.




Dominanter Zahn


Der Zahn mit dem am Frontzahnführungsteller laterotrusiv gemessenen steilsten Führung.




Eckzahnführung


Eckzahngeschützte Okklusion Okklusionskonzept mit Eckzahnführung, das zur Disklusion aller übrigen Zähne führt Dynamische Okklusion zwischen OK- und UK-Eckzähnen Verschleiß der Eckzahnführung führt zu Gruppenkontakten




Exzentrische Exkursion


Kauzyklischer Ablauf einer Kaubewegung (exzentrisches Öffnen, Abbeißen, exzentrisches Schließen, Rückkehr in die Interkuspidationsposition).




Frontzahnführungseinheit


Die volleinstellbare Frontzahnführungseinheit steuert als anteriores Führungselement den Artikulator. Die Relationen der individuellen Zahnstellungen, die für die Okklusion entscheidend sind, können so gemessen und rekonstruiert werden.




Funktionsanalyse


klinische, engl.: clinical functional analysis (diagnostics); dient der Überprüfung des funktionellen Zustands und des Zusammenwirkens von Zähnen, Kiefergelenken und (Kau-)Muskulatur und zur Ermittlung von Fehlfunktionen im kraniomandibulären System (Fehlfunktion der Unterkiefermobilität durch Zahn-, Kiefergelenk- und Muskelerkrankungen) (engl.: cranio-mandibular disorders, und sich daraus ableitenden therapeutischen Maßnahmen. Die Diagnose erfolgt primär durch Inspektion, Palpation und Auskultation, woraus sich Rückschlüsse auf den Zustand des Kauorgans ergeben und ggf. unter Zuhilfenahme einer instrumentellen Funktionsanalyse entsprechende Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.




Funktionsstörungen


Kopfschmerz Migräne Nackenverspannung Rückenschmerz Hüftschmerz Bandscheibenprolaps Skoliose Tinnitus Ohrgeräusche Drehschwindel Kiefergelenkknacken Reha nach Hüft-Op., Bandscheiben-Op. usw




Funktionstherapie


Da es sich beim Craniomandibulären Syndrom in manchen Fällen um eine Mitbeteiligung der umliegenden Gewebe handelt (Halswirbelsäule, Schulter, Becken) sollte eine Abklärung durch den Orthopäden, den Physiotherapeuten stattfinden. (Interdisziplinäre Diagnostik) Der Erfolg dieser Methode hängt prinzipiell davon ab, wie genau eine drei-dimensionale Verlagerung des Gelenkkopfes gemessen und wie genau diese Messung in die Schiene umgesetzt werden konnte. Nach erfolgreicher Schienenbehandlung (im Durchschnitt 6 Wochen) kann, muss aber nicht, durch Erneuerung des evtl. vorhandenen Zahnersatzes auf die Schiene verzichtet werden.




Geschützte Okklusion


Frontzahngeschützte Okklusion
Okklusionskonzept mit Frontzahnführung, das zur Disklusion aller übrigen Zähne führt.
Eckzahngeschützte Okklusion
Okklusionskonzept mit Eckzahnführung, das zur Disklusion aller übrigen Zähne führt.




Haltungsschaden


Funktionsdiagnostik und- Therapie befasst sich mit dem Zusammenspiel von Kiefergelenk, Kaumuskeln und Zähnen, sowie der Diagnostik und Therapie bei Störungen dieser Funktionseinheiten. (Internationaler Begriff: Cranio- mondibulaire Dysfunktionen CMD)
Häufig haben Kopfschmerzen unklarer Ursache, Ohrenschmerzen, Kiefer- und Zahnschmerzen, aber auch Empfindungsstörungen auf der Gesichtshaut ihre Ursache in CMD. Oft sind diese Erkrankungen vergesellschaftet mit Fehlstellungen des Skelettapparates oder Verspannungen der Rücken- und Nackenmuskulatur, sowie Haltungsschäden. Noch häufiger treten diese Erkrankungen bei Stress und großen seelischen Belastungen auf. Ziel dieser Therapie ist eine Beschwerdefreiheit zu erreichen und möglichst langfristig zu halten.




HWS Syndrom


Die Ursachen für ein Halswirbelsäulen-Syndrom, kurz HWS, sind genauso vielfältig wie die Symptome. Neben degenerativen Veränderungen können auch Fehlhaltungen - durch stundenlanges Sitzen zum Beispiel - oder Zwangshaltungen durch einseitige Belastung bei Arbeit oder Sport die Ursachen für Schmerzen im Nackenbereich sein. Ein falscher Biss hat große Auswirkungen auf die Körperstatik und kann somit verantwortlich für Körperfehlhaltungen und Schmerzen sein. Manchmal kann auch die Psyche, seelischer Stress, in Nackenschmerzen aus




Hyperbalancen


Hyperbalance-Kontakt ! Okklusionsstörung Zahnhöckerkontakte nur auf der Mediotrusionsseite, also dort, wo nach herkömmlicher Auffassung Kontakte nicht hingehören.
Dabei kommt es zu einer Disklusion der Arbeitsseite oder Störungen in diesem Bereich.




IKP


Maximaler Interkuspidation Zusammenschluss der OK- mit den UK- Zähnen in maximalem Vielpunktkontakt




Inzisaltischtabelle


Tabelle zur automatischen Berechnung der morphologischen Führung am Zahn. Diese Winkelwerte zeigen die funktionelle Sequenz des individuellen Falls, die im weiteren für die Einstellungen der Frontzahnführungseinheit herangezogen werden.




Kaufunktion


engl.: chewing function; der Anteil des Systems "Kauorgan", welcher zur mechanischen Zerkleinerung von Nahrung im Mund eingesetzt wird. Unterscheidung in subjektive Kaufähigkeit, objektive Kauleistung bzw. Kaueffizienz und Dauer des Kauvorgangs. Im weiteren Sinne wird auch noch der Kaukomfort mit einbezogen.
Die Kaufunktion ist nicht unbedingt abhängig von der Zahl der Zähne, sondern vielmehr von deren Verteilung - eine sonst geschlossene Zahnreihe vorausgesetzt. Patienten mit beidseitig verkürzten Zahnreihen klagen nur wenig über eine verminderte Kaufunktion dagegen wird bei einer einseitig verkürzten Zahnreihe subjektiv wie auch objektiv eine verminderte Kaufunktion festgestellt, da nur "auf einer Seite" gekaut wird.
Nachgewiesen ist ein linearer Zusammenhang zwischen Alter, Anzahl der Zähne und reduzierter Kaufunktion.
Bei Vollprothesenträger, die in Abhängigkeit der anatomischen Verhältnisse und der Passgenauigkeit des Ersatzes generell eine eingeschränkte Kaufunktion aufweisen, kann - besonders im Unterkiefer - schon durch den Einsatz von "nur" zwei Implantaten - eine deutliche Steigerung der Kaufunktion erzielt werden




Kiefergelenksbehandlung


Das Kiefergelenk und dessen Kapselapparat ist, genauso wie die kurzen Halsmuskeln, die am Kopf ansetzen, bis zu 1 00x stärker von Nervenfasern durchsetzt. Dies ist wichtig, weil die Mundbewegungen sehr komplex sind und deshalb eine viel feinere Steuerung benötigen als zum Beispiel Bein- oder Armmuskeln. Auch bestehen sehr engen Funktionszusammenhänge mit den Ohren und der Halswirbelsäule, bzw. der gesamten Wirbelsäule. Man muß sich vorstellen, dass bei gestörten Bisssituationen laufend eine Irritation des zentralen Nervensystems stattfindet, die zu erheblichen Beeinträchtigungen ihrer Gesamtkoordination führt. An einem Beispiel kann dieses verdeutlicht werden: Wenn Tür und Türrahmen nicht zusammen passen, dann leiern allmählich die Scharniere aus oder der Türrahmen und die Tür funktioniert nicht mehr richtig. Genauso ist dies bei einer Fehlfunktion des Kauapparates. Dies kann im Extremfall als Krankheit in Erscheinung treten, die allen üblichen und unüblichen Therapieversuchen trotzt. Aufgrund des heutigen Kenntnisstandes über die Architektur und die Vernetzung des Nervensystems haben Störungen im Kaubereich einen überragenden Einfluss auf sämtliche Bereiche des Körpers und der Seele (Somato-psychisch). Liegen deshalb die beschriebenen Funktionsstörungen vor und führen im übrigen Körper zu Störungen wie Bandscheibenschäden, Kopfschmerzen, Migräne, Durchblutungsstörungen im Kopf, dauernder Müdigkeit u.v.m., kann dem durch die erwähnte Therapie häufig abgeholfen werden. Auch bei der MS (multiplen Sklerose) finden sich sehr häufig solche Verhältnisse. Es sind zur Beurteilung dieser Zusammenhänge verschieden Untersuchungen notwendig. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bietet bei solchen Störungen Lösungswege an.




Kiefergelenkerkrankung


Kiefergelenkerkrankungen; temporomandibular joint diseases or disturbances; Sammelbezeichnung für eine Vielzahl von Dysfunktionen des Kiefergelenks. Unterscheidung in: primäre Kiefergelenkerkrankungen: wie eine Arthritis durch Infektion aus dem bakteriellen bzw. rheumatischen Formenkreis (Patienten mit Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises berichten häufiger über Probleme mit dem Kiefergelenk als solche ohne derartige Erkrankung), oder Befall durch Tumore im Gelenkbereich, Verletzungen, Entwicklungsstörungen; Kiefergelenkarthrose sekundäre Kiefergelenkerkrankungen: auf Grund von Funktionsstörungen bzw. Fehlstellungen Beide Formen können bei Nichtbehandlung zu einer dauerhaften Schädigung des Gelenks (Arthrose, Ankylose) führen.




Kiefergelenkknacken


engl.: clicking (jaw), (TMJ)-Popping, (TMJ)-Clicking;
Unterteilung in Kiefergelenkknacken und dem während der gesamten Öffnungsbewegung bestehenden Kiefergelenkreiben. Weitere Unterteilungen beim Knacken beziehen sich auf das Auftreten während der Öffnung (am Anfang, mitten drin o. Ende), den Klang bzw. auf Seitwärtsbewegungen. Kiefergelenkknacken sind meist Ausdruck von degenerativen Erkrankungen der Gelenke mit unterschiedlichen Ursachen aus dem cranio-mandibulären Formenkreis (z.B. Fehlbelastung der Zähne o. der Muskulatur) und müssen nicht unbedingt von Schmerzen begleitet sein. Die Knackgeräusche selbst stammen meist von einem Überspringen des Diskus allein o. mit dem Gelenkköpfchen aus der Gelenkpfanne bzw. über das Tuberculum articulare. Die Geräusche bedürfen aber nicht in jedem Fall einer Behandlung. Mit einer genauen Analyse des Gebisssystems sollte aber die Ursache ermittelt werden um entscheiden zu können, ob eine Therapie anzuraten ist.
Je später ein Knacken bei der Mundöffnung auftritt, umso aufwendiger und problematisch ist dessen Behandlung. Hauptursache für das Knacken ist das Ligamentum laterale, welches eine Verstärkung der seitlichen Kiefergelenkskapsel ist.




Knirscherschienen


Okklusionsschiene, Knirscherschiene, Entspannungsschiene, Aufbissbehelf, engl.: bite guard splint, occlusal appliance; eine die Aufbiss(Okklusions-)flächen der Zähne übergreifende, herausnehmbare, temporäre Kunststoffschiene mit einem "Einbissrelief" für die Zahnflächen des Gegenkiefers. Als Ziel einer Schienentherapie sollte die Einstellung einer neuen Interkuspidationsposition (IKP, Zentrik) erfolgen. Diese Vorgabe wird durch die Oberfläche der Schiene beim Zusammenbiss (Okklusion) verwirklicht. Dadurch, dass so das gewohnte Okklusionsmuster unterbrochen wird (Entkopplung der bisherigen Verzahnung), kann es zu einer Entlastung von überbelasteten Zähnen, falschen Bissverhältnissen und parafunktionsbedingten Schäden kommen (Reflexschiene). Der Wortbestandteil "Schiene" ist in diesem Zusammenhang irreführend, da der Zweck der Schiene. keine Schienung im eigentlichen Sinne ist. Besser könnte es heißen: "therapeutische Okklusions-Führungs-Platte". Im Prinzip gibt es drei versch. Angriffspunkte bei der Schienentherapie mittels Aufbiss: adjustierte Schiene in RKP mit Eckzahnführung; ca. 80% aller Schienen funktionieren derart. Distraktionsschiene bei einem komprimierten Kiefergelenk um einen entsprechenden Abstand zu schaffen Repositionierungsschiene, meist im Unterkiefer eingegliedert, um ein Kiefergelenk aus einer anterioren Position langsam in die Zentrik zu verlagern. Für eine Aufbissschienen (Okklusionsschiene) nimmt der Zahnarzt einen Abdruck der oberen und unteren Zahnreihe des Patienten und stellt ein Modell sowie ein Registrat her, um den Zusammenbiss der Zahnreihen zu kennzeichnen. Das ist die Grundlage der Okklusionsschiene für eine der Zahnreihen, die genau an die 2. Zahnreihe angepasst sein muss. Die Schiene muss gut und fest sitzen (Retention) und darf sich während des Gebrauchs nicht verändern, damit die Anpassung an die 2. Zahnreihe (Okklusion) erhalten bleibt. Es stehen Schienen entweder aus Kunststoffpulver und -flüssigkeit her (Heiß- oder Kaltpolymerisation) oder aus erwärmter Kunststofffolie (thermoplastisches Verfahren) zur Verfügung.




Laterotrusiv/Mediotrusiv


Bewegt sich der Unterkiefer aus der Interkuspidationsposition zur Seite, sprechen wir von Laterotrusion oder Seitschub. Die Kieferabschnitte, die sich von der Mitte weg bewegen, werden als Laterotrusionsseite bezeichnet, die sich zur Mitte hin bewegen werden als Mediotrusionsseite bezeichnet.




Mittelwertartikulator


Beim Mittelwertartikulator sind Gelenkbahnneigung und Bennett-Winkel fest eingestellt. (40°/20°) Die Zahnführungen berechnen sich in Cognito® Sequence als Idealwert automatisch aus diesen Werten.
Zur Neuberechnung von tatsächlichen Zahnführungswerten und der daraus resultierenden Sequenz können diese Werte unter „Ist“überschrieben werden.




Muskelverspannung


Spannungskopfschmerz und Muskelverspannungen im Nackenbereich. Weltweite Studien besagen, dass bis zu 70% aller Menschen Zeichen funktionaler Störungen aufweisen und davon etwa 15% krankhafte Befunde entwickeln. Auslöser ist in vielen Fällen das Zähneknirschen. Knirschen tritt meist nachts in der sog. rem-Schlafphase (engl. rapid eye movement) auf (sog. Károlyi Effekt) und wird vermehrt als Folge von "intellektuellem Stress" angesehen.
Direkte Kontakte zwischen Zähnen des Ober- und Unterkiefers sind normalerweise auf den Kau- und Schluckakt beschränkt; beim Kauen (~ 40 Min/Tag) sind die Kräfte etwa bei 20-30 Newton; die Kaumuskulatur hat somit lange Erholungszeiten zur Verfügung. Bei Knirschen sind diese Belastungen wesentlich höher und können bis zu 950 Newton betragen. Dies kann bei längerem Anhalten zu schweren Schädigungen des Zahnhalteapparates, zu erheblichem Materialverlust der Zahnkauflächen Abrasion), keilförmigen Defekten, übermäßiger Abnutzung u. Beschädigung von Zahnersatz und zu Kiefergelenkserkrankungen führen. Die Ursachen für das Knirschen sind wissenschaftlich bisher nur ungenügend erforscht - Einigkeit besteht darin, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt; eine Stresskomponente und/oder ein gestörter Zusammenbiss ("okklusale Disharmonie") der Zahnreihen werden als die Hauptauslöser angesehen. Aus rein zahnmedizinischer Sicht erfolgt eine temporäre Behandlung des K. mittels einer Knirscherschiene, ohne damit die eigentlichen Ursachen zu beseitigen. Patienten, die nach eigenen Angaben sowohl nachts als auch tagsüber knirschen, haben ein deutlich höheres Risiko orofaziale Schmerzen zu entwickeln als Patienten ohne diese Angewohnheit. Auch das Kauen von Fingernägeln erhöht das relative Risiko. Starke Knirscher setzen Ihre Zähne und des gesamte Kausystem einem hohen Druck aus: Bis zu 300 kg (Frauen) bzw. 400 kg (Männer) müssen abgefedert werden, mit den Folgen, dass ein starker Abrieb an den Schneidekanten und Kauflächen auftritt, sich Risse im Zahn bilden und erhebliche Zahnlockerungen eintreten können. Weiter verursacht die starke Anspannung der Muskulatur Schmerzen bis in den Nacken- u. Schulterbereich bzw. in die Schläfen- u. Ohrengegend. Erste Hilfe bietet aus Kunststoff gefertigte okklusions-adaptierte Schienen (sog. Knirscherschiene, engl.: biteguard), die die Zähne und das Kiefergelenk entlastet, die eigentlichen Ursachen aber nicht beseitigt.




Okklusale Interferenzen


Abnorme Antagonistenkontakte, Kieferbewegungen oder schlechte Angewohnheiten (Habits; Zähneknirschen; Pressen); sie können zu Attrition, Fehlfunktion, Zahnfraktur, Zahninfraktion und zu parodontalen Belastungen führen. Ohne erkennbaren physiologischen Zweck. (Stressableitung?)




Okklusion


"Zusammenbiss", "Kauberührung" der Zähne, engl.: (dental) occlusion, (bite); allgemein: jeder Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers; Aufeinandertreffen der oberen und unteren Zahnreihen bei zwanglosem Kieferschluss (Ruheposition).
In der Funktionsanalyse gibt es unterschiedliche Auffassungen über die "richtige" Okklusion. Es hat sich als praktikabel erwiesen, zwischen idealer, physiologischer, nichtphysiologischer und zu behandelnder Okklusion zu unterscheiden.
Ebenso existieren versch. Okklusion-skonzepte (engl.: occlusion concepts) mit Vorstellungen, wie die Zähne bei der Vorschub- und Seitwärtsbewegung miteinander im Kontakt stehen sollten: Eine beidseitig balancierte Okklusion, eine einseitig balanciert Okklusion (auf der Arbeitsseite) bei der Seitwärtsbewegung, Front-/Eckzahnführung oder -stützung bei der Vorschubbewegungen, usw. . Allen Konzepten ist gemein, dass sie einzeln bisher keine Allgemeingültigkeit erlangt haben und wissenschaftlich sehr unterschiedlich beurteilt werden.
Der Begriff dynamische Okklusion (engl.: dental articulation or dynamic occlusion) = Zahnkontakte bei Bewegung des Unterkiefers hat die ehem. Bezeichnung "Artikulation" abgelöst; im Unterschied dazu steht der Begriff "statische Okklusion" (engl.: static occlusion) = Zahnkontakte ohne Bewegung des Unterkiefers in Interkuspidation(-sposition) (IKP). Steuerungsfaktoren für die dynamische Okklusion sind: das Kiefergelenk die ineinander greifenden Höcker und Grübchen der Zähne Muskulatur, Nerven und Psyche Der Einfluss einer regelrechten O. hinsichtlich der Entstehung von Myoarthropathien ("Störung der neuromuskulären Balance") wurde und wird sehr kontrovers diskutiert, allerdings kann sie als einer von vielen Faktoren an der Prädisposition, Auslösung und Aufrechterhaltung von Myoarthropathien entscheidend beteiligt sein. Umstritten ist, ob eine Okklusionsstörung (engl.: occlusal disturbance) in funktioneller Wechselwirkung mit Veränderungen der Wirbelsäule stehen. So wird vermutet, dass derartige Störungen die neuromuskulären Balance verschieben und so hypomobile Bewegungsstörungen der HWS und des SIG verursachen können.




RKP


Die Retrale Kontaktposition. Erster Zahnkontakt bei Schließbewegung in Zentraler Relation.




Scherkraftbelastung


Seitenzähne: axiale Krafteinleitung Zentrische Abstützung im Bereich hoher Kraftladung von 300-500N. Entlastung bei exzentrischen Exkursionen durch die Funktion der Frontzahngruppe. Frontzahnbereich: Exzentrische Führung im Bereich geringerer Kraftladung von 150- 180N. Entlastung bei zentrische Belastung durch die Seitenzahngruppe.




Sequentielle Führung


Im Prinzip funktioniert dies wie bei einem Stafettenlauf. Die dominante Eckzähne übernehmen bei der Laterotrusionbewegung die Führung, und die nachfolgenden Zähne diskludieren. Nach möglicher Abrasion der Eckzähne übernehmen bei der Laterotrusionbewegung die Eckzähne und die ersten Prämolaren die Führung, und die nachfolgenden Zähne diskludieren usw.




Tinnitus


Ohrengeräusche, Ohrensausen, eng.: do.; auch als non-auditorischer Tinnitus bezeichnet, da die Geräusche häufig nur vom Betroffenen gehört werden (endogene Schallempfindung); wissenschaftliche Unterteilung in objektiven und subjektiven (non-auditorischer) Tinnitus.
Man vermutet, dass in vielen Fällen fehlgerichtete Anpassungsvorgänge des Gehirns nach Hörschädigung für die quälenden Geräusche verantwortlich sind. Ähnlich wie beim Phantomschmerz, bei dem Patienten Schmerzen in einem amputierten - also nicht mehr vorhandenen - Körperglied empfinden, können Patienten selbst nach Entfernung des Innenohrs weiterhin ein dauerndes störendes Ohrgeräusch aus dem nicht mehr vorhandenen Ohr wahrnehmen.
Als Ursachen kommen Hörbeeinträchtigungen, Lärmschäden, Stress, Morbus Menière (Drehschwindel) und andere organische Erkrankungen in Betracht. Auch der Hörsturz ist oft von einem Tinnitus begleitet. Probleme mit der Halswirbelsäule oder im Zahn-Mund-Kiefer-Bereich können auslösende oder verstärkende Ursachen sein.
Bei einem subjektiven Tinnitus kann eine Dekompressionsbehandlung der Kiefergelenke zur teilweisen Rückbildung der Erkrankung führen. Entscheidend für den Erfolg ist dabei vor allem der frühzeitige Therapiebeginn. Chronische sowie objektive Tinnituserkrankungen scheinen nicht durch die Therapie einer bestehenden craniomandibulären Dysfunktion positiv beeinflussbar zu sein. Bei subjektivem Tinnitus können sich jedoch die Symptome im Rahmen einer zahnärztlichen manuellen Funktionsdiagnostik in ihrer Qualität verbessern.
Neue Ansätze wie "Retraining" (die Betroffenen sollen lernen, sich nicht auf das Geräusch im Ohr zu konzentrieren, sondern sich daran zu gewöhnen und es weniger wahrzunehmen. Entspannungs- und Hörübungen sowie ein Hörgerät, das ein kompensierendes Rauschen überträgt, gehören zur Therapie.) und Musiktherapie können helfen, mit dem Dauerton zu leben.




Zahnersatz


ZE, "falsche Zähne", engl.: denture(s), dental prosthesis, false teeth; dient allgemein der Wiederherstellung von Kaufunktion, Sprache (Phonetik) und dem äußeren Aussehen (Ästhetik). Diese Forderungen können in der ZHK durch vielfältige Maßnahmen erreicht werden, wobei grundsätzlich zwischen herausnehmbaren und festsitzendem Z. und Kombinationen beider Arten unterschieden wird. Hinzu kommt die - immer mehr gebräuchliche - Möglichkeit des Einpflanzens künstlicher Zahnwurzeln (Implantat) und in wenigen Fällen auch noch die Möglichkeit einer kieferorthopädischen Schließung von (kleinen) Zahnlücken. Lehrmäßig und versicherungstechnisch gelten auch noch künstliche Kronen als Z., obwohl sie eigentlich keinen Zahn, sondern nur dessen Krone, ganz o. z.T. ersetzen. Deshalb gilt als klassische Definition: Kronen (obwohl kein Zahn sondern nur Zahnhartsubstanz ersetzt wird), Brücken, Prothesen (Teilprothesen, Vollprothesen), kombinierte Versorgungsformen und implantatgetragene Kronen, Brücken oder Prothesen.




Zahntechnik/Dentallabor


engl.: dental laboratory; zahntechnische Betriebsstätte nach der Handwerksordnung zum Anfertigen von Zahnersatz und dessen Reparatur sowie andere zahntechnische Arbeiten (z.B. kieferorthopädische Behandlungsgeräte) durch speziell dafür ausgebildete Zahntechniker.
Die Anfertigung von zahnärztlichen Arbeiten erfolgt ausschließlich auf Weisung des Zahnarztes.




Zentrixbiss


Kieferrelation schädelbezügliche (nicht: zahnbezügliche) Lage des UK in der rückwärtigsten, höchsten, nicht seitenverschobenen Position. Beurteilt wird dabei die Position der Kondylen zur Gelenkpfanne. Die Bestimmung der Kieferrelation nennt man auch „Bissnahme“
Korrekt: Es ist die dreidimensionale Festlegung der UK-Position zum OK.